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Ein Pinguin-Wein für die Antarktis

Pressevorlage für die Rheinpfalz (mit freundlicher Genehmigung: Judith Ziegler-Schwaab)

Der Presseartikel erschien in der Rheinpfalz am 20. Mai 2019

 

Art Sphenisco:  „Pinguin-Wein“ aus Kirrweiler für Neumayer-Station in der Antarktis. (Judith Ziegler-Schwaab)

Es ist eine schöne Tradition: Die wohl berühmteste Weinkiste aus der Pfalz geht alle Jahre wieder als Präsent der SGD Süd aus Neustadt in die Antarktis, an die Neumayer-Forschungsstation. Dieses Jahr dürfen sich die Forscher im ewigen Eis dabei auf einen Weißburgunder aus dem Weingut Ramsel in Kirrweiler freuen.   „Und wir freuen uns über die große Ehre“, spricht Andrea Ramsel für sich und ihren Mann Karl. Wie seine Frau passioniert malt, ist er im Nebenberuf Winzer aus Leidenschaft. Seinen Weißburgunder ziert jetzt ihr Künstleretikett.  Es zeigt einen Humboldt-Pinguin, den Vertreter einer bedrohten Art. Zu deren Schutz hat sich in Landau Sphenisco  e.V. gegründet. Der Verein setzt sich ein für die Errichtung einer Meeresschutzone „Pinguino de Humboldt“. Sphenisco meint die Gattung der Brillen-Pinguine. Dazu zählen die nach dem deutschen Forscher benannten Humboldt-Pinguine, zu finden an der unteren Pazifikküste Südamerikas. Hier zieht auch der kalte Humboldtstrom vorbei.

Die Übergabe vom „Pinguin Wein“ erfolgt am 22. Mai, am Tag der Biologischen Vielfalt. Sechs Euro kostet die Flasche. Ein Euro geht zum Erhalt der bedrohten Art. „Den posierlichen Pinguinen gehörte schon mein Kinderherz“, sagt Andrea Ramsel und engagiert sich auf ihre Art. Und Art im wahrsten Wortsinn, denn die Künstlerin kreiierte den Begriff „Art Sphenisco“. In ihrem Kirrweiler Atelier, mit Blick auf Haardtrand und Hambacher Schloss, stellte sie den stolzen Pinguin ins Zentrum eines Gemäldes – und entwickelte dieses weiter zum hochwertigen Künstleretikett. Dies zeigt nicht nur den stolzen Pinguin prominent erhaben, ebenso hervorgehoben dessen Lebensräume auf der Landkarte Südamerikas. Die Malerei ging lange als Hobby nebenbei. Denn nach dem Abitur studierte die Landauerin zunächst Jura und ging dann in die IT-Branche. Inzwischen arbeitet die Mutter zweier Söhne in Teilzeit. Ein Fernstudium in Kunst und Malerei gab dem Talent eine solide Basis. Auf Tierporträts erhielt sie sogar ihre Bestnoten. Ja, er macht Eindruck, ihr Humboldt-Pinguin.  Andrea geborene Görß liegt die künstlerische Betätigung im Blut. In ihr vereinen sich „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“. Die Vorfahren Lustig wirkten als Meißner Porzellanmaler bereits auf der Albrechtsburg und spätere Generationen in der Königlichen Manufaktur. Die Görß, eine Dynastie von Kunst-und Silberschmieden, standen in Diensten der Preußenkönige und Deutschen Kaiser – vom Alten Fritz bis Wilhelm II. „Als Willy sich absetzte nach Holland war die Berliner Hofhaltung aufgelöst und mein Urgroßvater arbeitslos. So bin ich heute Pfälzerin“, lacht Andrea. Ihr Großvater, in Familientradition ebenfalls Kunstschmied und nach dem Zusammenbruch von Berlin mit den Eltern ins Elsaß verzogen, kam später beruflich nach Landau, wo er eine Südpfälzerin aus Hochstadt heiratete. 

Andrea Ramsel wirbt für die Ziele von Sphensico e.V. Ansprechpartner hier sind Gabriele und Werner Knauf in Landau. Der Verein will in Zusammenarbeit mit chilenischen Wissenschaftlern Naturschützern einer Ausrottung der Humboldt-Pinguine entgegenwirken. Auch die Haltungsbedingungen und Zuchterfolge in zoologischen Gärten will man verbessern helfen. „Zum einen gefährden neue Industrieanlagen in Küstennähe die Pinguine und zum andern verlieren sie durch den Abbau von Guano die Grundlage für ihre Nisthöhlen“, weiß Andrea Ramsel. Mit dem Reinerlös aus dem Verkauf vom „Pinguin-Wein“ trägt sie nun ihren Teil zum Artenschutz bei.